Sven Johne. Freie Welt

26.4. – 3.11.2024
Eröffnung: 25.4.2024, 18 Uhr

Eine Frau im seitlichen Portrait, die ihr Gesicht ins Sonnenlicht hält und in einem leeren Zimmer steht.
Filmstill aus Sven Johne „Das sowjetische Hauptquartier“, 2023, Copyright Sven Johne und VG Bild-Kunst Bonn, 2024

Die Ausstellung von Sven Johne „Freie Welt“ mit dem Film „Das sowjetische Hauptquartier“ sowie zwei Fotoserien des Künstlers zum 30. Jahrestag des Abzugs der sowjetischen Truppen aus Brandenburg

2024 jährt sich der Abzug der Alliierten und der Westgruppe der sowjetischen Truppen aus Brandenburg im seit 1990 vereinten Deutschland zum 30. Mal. Brandenburg war neben Berlin der zentrale Schauplatz dieser größten militärischen Truppenbewegung in Friedenszeiten.

Mit Sven Johnes erster Einzelausstellung in Brandenburg „Freie Welt“ zeigt das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte seinen neuen Film „Das sowjetische Hauptquartier“ (2023) und die fotografischen Arbeiten „Heilpflanzen im Todesstreifen“ (2021) sowie „Heroes of Labor“ (2018). Das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte setzt sich so mit der emotionalen Geschichte der Transformationszeit in den frühen 1990er, mit Leerstellen und dem Aufbruch in eine „freie Welt“ auseinander. In diesem Kontext ist Brandenburg nicht nur als geografischer Ort, sondern als eine Topografie des Umbruchs präsent.

Die Ausstellung wurde kuratiert von Dr. Katalin Krasznahorkai (Brandenburgische Gesellschaft für Kultur und Geschichte).

 

Eine Spurensuche im HBPG

Die Thematik des Abzugs der sowjetischen Truppen 1994 ist eingebettet in eine Spurensuche durch alle Bereiche des HBPG und lädt ein zu einer Entdeckungsreise durch das Haus.

Neben der Ausstellung von Sven Johne wird in der „Brandenburg.Ausstellung“ ein historischer Exkurs zu Wünsdorf und Ausstellungsobjekten der sowjetischen Militärpräsenz angeboten.

Mittels eines partizipativen Outreachprogramms werden im „Archiv der Leute“ Themen präsentiert und diskutiert, die anhand von Erinnerungsstücken von Brandenburger:innen sowie mit digitalen und analogen Erzählformaten ein Schlaglicht auf verschiedene emotionale und kulturelle Aspekte des Abzugs werfen. So zum Beispiel auf das „ökologische Schlachtfeld“, auf illegale Rave/Techno-Partys in den ehemaligen Militäranlagen oder an die kulturellen Nachwirkungen von 50 Jahren Militärpräsenz in Deutschland. Das „Archiv der Leute“ ist ein partizipatives und hybrides Erinnerungsprojekt im HBPG.

Tickets

Sven Johne-Ticket (inkl. Brandenburg.Ausstellung und Archiv der Leute)
5 Euro, ermäßigt 3 Euro

Freier Eintritt bis 18 Jahre, für Schüler:innen, Student:innen und Auszubildende.

Öffnungszeiten

Dienstag und Mittwoch 11 bis 18 Uhr
Donnerstag 11 bis 20 Uhr
Freitag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr
Feiertag 11 bis 18 Uhr
Montag geschlossen (außer an Feiertagen)

Heiligabend und Neujahr geschlossen
1. und 2. Weihnachtsfeiertag 11 bis 18 Uhr
Silvester 11 bis 16 Uhr

Letzter Einlass 30 Minuten vor der Schließzeit.

Sven Johne

Geboren 1976 in Bergen / Rügen. 1996–1998 Studium der Germanistik, Journalistik und Namensforschung an der Universität Leipzig; 1998–2004 Studium der Medienkunst und Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB); ab 2006 als Meisterschüler bei Timm Rautert. 2008 nimmt er am International Studio and Curatorial Programm in New York teil und arbeitet seither als freischaffender Künstler in Berlin. 2010/11 wird er als Gastprofessor für Fotografie an der HGB berufen.

Johne hatte zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen, unter anderem zuletzt im Fluentum, Berlin (2023), MUDAM Luxemburg (2023) und nahm an internationalen Biennalen teil, wie u.a. Berlin Biennale (2022), Riga Biennale (2018), OFF Biennale Budapest (2017). Er erhielt diverse Stipendien und Preise, darunter der Kunstpreis der Akademie der Künste Berlin, Sektion Bildende Kunst (2016), Karl-Schmidt-Rottluff-Stipendium (2010), den Marion-Emer-Preis (2005) und ein Stipendium der Alfried-Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung (2004).

Mehr Informationen auf svenjohne.com

„Das sowjetische Hauptquartier“ (2023)

Der Film „Das sowjetische Hauptquartier“, produziert von Fluentum und unterstützt von der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte gGmbH, spielt auf dem inzwischen verlassenen Gelände des ehemaligen Hauses der Offiziere in Wünsdorf, Brandenburg. Das Anfang des 20. Jahrhunderts im neobarocken Stil errichtete palastartige Anwesen diente bis 1994 als eine Art Hauptquartier und Kulturzentrum für die in Ostdeutschland stationierten sowjetischen Truppen.

In Johnes neuem Werk wird es zum Schauplatz einer Immobilienbegehung. Der wortkarge Becker (Marc Zwinz), ein zum Erfolg verdammter Immobilienmakler, führt Katharina Baronn (Luise Helm), eine vermeintliche Kaufinteressentin, durch die desolaten Räumlichkeiten. Im Laufe der Erzählung verlagert sich der Fokus des Films auf Baronns innerer Monolog: Als sie acht Jahre alt war, erlebte Baronn den Abzug der sowjetischen Truppen aus dem Hauptquartier. Seitdem geistert eine nostalgische „Kinder-Sowjetunion“ (so Johne) als idealisierte Alternative zum real existierenden Kapitalismus—der „freien Welt“—durch ihre Erinnerungen. Das sowjetische Hauptquartier handelt von frühen Prägungen, der Macht von Ideologien und dem Abschied von der Kindheit.

Das sowjetische Hauptquartier, 2023
4K Video, 32’49”
Produziert von Fluentum
Deutsch mit engl. Untertiteln

„Heilpflanzen im Todesstreifen“ (2021)

Johnes 25-teilige Fotoserie entstand auf einer 1.400 Kilometer langen Wanderung entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze, die er mit seinen Kindern und deren Freunden etappenweise von Süd nach Nord ablief. Die Natur hat im transgenerationellen Heilungsprozess den ersten Schritt mit den Kindern gemeinsam gemacht: Die Kinder sprangen wie selbstverständlich hin und her, wo früher Sven Johnes Stiefvater als Grenzer mit Schießbefehl arbeitete; die Wilde Malve, die Hagebutte, der Rainfarn oder der Löwenzahn haben sich den Todesstreifen bereits rückerobert, und beschleunigen so den Heilungsprozess.

Heilpflanzen im Todesstreifen 2021
25 Collagen
Archivpigmenttinte auf Kunstdruckpapier
gerahmt, je 60 x 40 cm, insgesamt 60 x 1.000 cm

Galerie Nagel Draxler Berlin/ Köln/ München

„Heroes of Labor“ (2018)

In der Foto-Text-Arbeit „Heroes of Labor“ versammelt Johne die zum Zeitpunkt der Entstehung der Arbeit (März 2018) laut Google zwölf reichweitenstärksten und gefragtesten Motivations-Coaches der Welt und deren Hauptclaims.

Diese Personen veranstalten ekstatische Massenveranstaltungen, die allesamt ein Ziel hatten: den einzelnen Menschen noch leistungsfähiger zu machen. Zentrale Botschaft war immer: nur du allein bist für dich verantwortlich, kein Staat, keine Gesellschaft, kein Gott. Für Johne sind diese Coaches die Gurus des neoliberalen Zeitalters, sie stehen für einen Ersatzglauben in einer säkularisierten „freien Welt“. Im ironischen Titel „Helden der Arbeit“ verschränkt Johne die sozialistische Parole mit dem kapitalistischen Heilsversprechen.

Heroes of Labor, 2018
Serie von 12
Archivpigmentdruck auf Kunstdruckpapier,
gerahmt, je 65 x 50 cm, gesamt 195 x 200 cm

Klemm’s, Berlin

 

Save the Date!

Ein Treppenhaus in einem verlassenen Gebäude.
Filmstill aus Sven Johne „Das sowjetische Hauptquartier“, 2023, Copyright Sven Johne und VG Bild-Kunst Bonn, 2024

Der Film „Das sowjetische Hauptquartier“ wird im Laufe der Ausstellung auch in zwei ehemaligen Offiziershäusern in Brandenburg gezeigt:

Am 7. Juli 2024 am Originalschauplatz und Drehort, dem Haus der Offiziere in Wünsdorf, das nicht mehr öffentlich zugänglich ist. Begleitet wird es von einem Künstlergespräch zwischen Sven Johne und Dr. Katalin Krasznahorkai (BKG).

Am 15. September 2024 findet ein weiteres Filmscreening im Kulturzentrum DAS HAUS in Niedergörsdorf in Anwesenheit von Sven Johne statt.

Weitere Veranstaltungen finden Sie im Onlinekalender.

Publikation

Buchcover zur Publikation Sven Johne
Sven Johne „Das sowjetische Hauptquartier. Filme 2006–2023“, Fluentum, Distanz Verlag, Berlin, 2023

Sven Johne „Das sowjetische Hauptquartier. Filme 2006–2023“, hrsg. von Dennis Brzek, Junia Thiede und Markus Hannebauer im Distanz Verlag anlässlich der Ausstellung „Das sowjetische Hauptquartier“ im Fluentum, Berlin, 2023. Mit einem Essay von Daniel Völzke und ein Interview mit Sven Johne und Dr. Katalin Krasznahorkai.

Deutsch/Englisch
20 x 25 cm
152 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen, Hardcover
32,00 €
ISBN 978-3-95476-634-5

 

Zur Publikation

Kooperation mit „Welten verbinden - Kulturland Brandenburg 2024/2025“

„Welten verbinden - Kulturland Brandenburg 2024/2025“
„Welten verbinden - Kulturland Brandenburg 2024/2025“

„Welten verbinden“ ist das Thema von Kulturland Brandenburg 2024/2025. Gemeinsam mit zahlreichen Kulturakteur:innen aus Brandenburg, Deutschland und Europa widmet es sich den globalen Verflechtungen, den international vernetzten Biografien und den grenzüberschreitenden Geschichten im Land.

Im Rahmen des Themas und korrespondieren zur Sven Johnes „Freie Welt“ zeigt die NEUE GALERIE in Wünsdorf-Waldstadt ab 10. Februar die Ausstellung „Fundstücke“, die sich mit den internationalen Spuren des ehemaligen sowjetischen Militärstandortes befasst.

Zu den Veranstaltungen von Kulturland Brandenburg