Digitalvilla am Hedy Lamarr Platz
Lesung „NEUE VORFAHR:INNEN: Die Potsdamer Dichterin Jutta Petzold“ in Potsdam
„Die Mauern sie können nicht tauschen“
Im Rahmen des Projekts „Falling from the Shoulder of Giants: Cold Feet – Long Arms“.
Ein Projekt von der Gesellschaft für zeitgenössische Konzepte e.V.
Jutta Petzold (1933–2020) gehört zu den lange übersehenen Stimmen einer nicht-kanonischen Widerstandskultur der DDR. Nach einem missglückten Fluchtversuch 1961 zählt sie zu den Vertreter:innen der sogenannten Dritten Literatur, deren Werke außerhalb der offiziellen literarischen Öffentlichkeit entstanden und erst spät erschlossen und gewürdigt wurden.
Die Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin Ines Geipel sichert und erschließt Petzolds Nachlass. In der Digitalvilla liest sie aus neu edierten und rekonstruierten Texten und stellt eine Autorin vor, deren Werk von den Bedingungen des Schreibens unter politischem Druck, von Ausschluss und dem Kampf um eine eigene Sprache erzählt.
Um 17.30 Uhr beginnt die Kuratorin-Führung durch die Digitalvilla mit neuen Exponaten der GIANT GLITCHES. Auf der Ebene Null zeigt Thomas Scheffer die Werkschau DAS SICHTBARE IST NICHT DAS MÖGLICHE.
Künstlerische Forschung zur fragmentierten Sprache und Glitch Art
Die Veranstaltung ist Teil des Projekts NEUE VORFAHR:INNEN im Rahmen des zweijährigen Projekts FALLING FROM THE SHOULDERS OF GIANTS der GFZK e.V. Der Titel geht auf eine künstlerische Arbeit von Ian Keaveny zurück, der für das Projekt ein digitales Porträt Jutta Petzolds geschaffen hat. Das Gesicht erscheint darin nicht als geschlossenes Bild: Es vervielfacht und verschiebt sich, Oberflächen brechen ab, Fragmente überlagern einander. Die digitale Rekonstruktion wird selbst zum Bild einer prekären Überlieferung.
Für die Gesellschaft für zeitgenössische Konzepte e.V. (GFZK) ist die Lesung Teil einer längerfristigen Auseinandersetzung mit komplexen Zensurregimen in Vergangenheit und Gegenwart. Eine bislang wenig bekannte biografische Spur führt dabei nach Potsdam: Jutta Petzold lebte 1949 für kurze Zeit in der Stadt. Im Zentrum der begleitenden künstlerischen Forschung steht Petzolds spätes, fragmentarisches Prosawerk. Ihre Sprache bewegt sich an den Grenzen von Ausdruck, Sinn und Form. Wörter kippen, Bedeutungen werden instabil, syntaktische Ordnungen brechen auf. Hier entsteht eine Verbindung zur Glitch Art: zwischen ihren sprachlichen Brüchen Petzolds und der zeitgenössischen Ästhetik der Störung des Glitch Arts öffnet sich ein Resonanzraum.
Ian Keavenys fragmentiertes digitales Porträt und Petzolds fragmentierte Sprache begegnen sich damit an einer entscheidenden Stelle: im Bruch. Was nicht vollständig rekonstruiert, geglättet oder in einen Kanon zurückgeführt werden kann, wird gerade in seiner Störung sichtbar.
Ihr Besuch
Informationen zu Ihrem Besuch
Termin 26. Oktober 2026, 18 Uhr
Eintritt frei
Um Anmeldung wird gebeten kontakt@verena – voigt-pr.de
Ort Digitalvilla am Hedy-Lamarr-Platz
Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, Prozesse & Systeme, Karl-Marx-Str. 67, 14482 Potsdam