Falling from the Shoulder of Giants: Cold Feet – Long Arms
Ein Projekt von der Gesellschaft für zeitgenössische Konzepte e.V.
Über Glitch Art als künstlerische Praxis
Wie wirken historische Macht- und Kontrolltechniken in gegenwärtigen digitalen Systemen, im Körper, in der Sprache und in technologischen Infrastrukturen fort. Dieser Frage widmet sich ein umfangreiches Ausstellungs- und Veranstaltungsprojekt der internationalen Künstler:innengruppe GIANT GLITCHES.
Im Zentrum ihrer Arbeit steht Glitch Art als ästhetisches Prinzip. Glitch ist der Moment der in technischen Systemen zunächst als Störung erscheint – verzerrte Bilder, eingefrorene Screens oder flackernde Pixel. Es ist der Moment in dem Medien und ihr technisches Prinzip erfahrbar werden. Glitch Art setzt hier an und macht diese Irritationen zum Ausgangspunkt künstlerischer Praxis.
Im Fokus steht dabei das Verborgene: Codes, Datenströme und die technischen Strukturen hinter scheinbar reibungslosen Oberflächen. Künstler:innen greifen gezielt in Systeme ein, manipulieren Geräte oder nutzen Software entgegen ihrer ursprünglichen Funktion, um neue visuelle und klangliche Räume zu erschließen. Der Fehler wird dabei nicht als Defizit verstanden, sondern als produktives Element – als Impuls für neue Perspektiven und Formen des Ausdrucks sowie als Prinzip der Gegenwehr und Kritik.
Über Glitch Art als künstlerische Praxis
Das Projekt FALLING FROM THE SHOULDERS OF GIANTS: COLD FEET – LONG ARMS setzt an eben diesen Stellen an. Es widmet sich aktuellen künstlerischen Arbeiten zu Künstlicher Intelligenz, Körperbildern, Kontrolle und Erinnerung. Ausgangspunkt ist die Juristische Hochschule Potsdam als historischer Ort der Macht und Wissensproduktion. An diesem zentralen Ausbildungsort hatte die DDR-Staatssicherheit zwischen 1951 und 1990 ihre Methoden der Überwachung und psychologischen Kontrolle ihrer Bürger:innen entwickelt. Mit digitalen und analogen künstlerischen Mitteln werden die historischen Machttechniken heutigen Formen von KI-basierter Kontrolle gegenübergestellt.
Das Programm (Auswahl)
Im Rahmen des Projektes finden verschiedene Programmpunkte statt. So zieht im Juli 2026 die Ausstellung „Meta-Requiem of a dream“ in die Digitalvilla Potsdam ein. Die Arbeiten dokumentieren durch KI „auskuratierte“ Glitch-Artefakte und rekonstruieren so Formen algorithmischer Zensur, Shadow Banning und digitale Auslöschungsprozesse.
Daneben untersucht Niklas Washausens Recherche „Define Pressure“, wie sich ideologisierte Begriffe im Körper materialisieren. In Kooperation mit der Hochschulambulanz der Universität Potsdam erforscht er im Rahmen einer Leseperformance den Fuß(ab)druck von Vorleser:innen, während sie aus dem Wörterbuch des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR vorlesen.
Ian Keavenys Langzeitprojekt „New Ancestors“ widmet sich der Wiederentdeckung brandenburgischer Autor:innen, deren literarisches Leben in der DDR verhindert wurde. Das Projekt wird im Oktober 2026 in einer Lesung mit der Schriftstellerin Ines Geipel präsentiert. Am Beispiel der Autorin Jutta Petzold (1933-2020) wird gezeigt, wie institutionelle Gewalt, literarische Fragmentierung und heutige Formen digitaler Auslöschung unvorhergesehene Berührungspunkte haben.
Informationen zum Projekt
Informationen zum Programm
Auftakt Juni 2026
Laufzeit Juni 2026 bis Dezember 2027
Ort Digitalvilla Potsdam
Karl-Marx-Straße 67, 14482 Potsdam
Weitere Termine und Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie auf kulturland-brandenburg.de und www.verena-voigt-pr.de/gfzk-ev/
Gesellschaft für zeitgenössische Konzepte e.V.