Ian Keaveny, Ecstasy of Resistance, 2024, Videostill © The Artist

Wenn Algorithmen entscheiden: Beiträge für Dokumentationsplattform gesucht

Open Call von der Gesellschaft für zeitgenössische Konzepte e.V. im Rahmen des Projekts „Falling from the Shoulder of Giants: Cold Feet – Long Arms“.

Für die Dokumentationsplattform “Glitch Art in the Age of Perfect Censorship” werden Erfahrungsberichte oder Glitch Art-Arbeiten von Forscher:innen, Künstler:innen, und Praktiker:innen gesucht. Gesucht werden Beiträge von Menschen, die Erfahrungen mit algorithmischer Zensur, Shadowbanning, Reichweitenreduktion, automatisierten Moderationssystemen, Markierungen als „sensible Inhalte“ oder KI-Fehlklassifikationen gemacht haben oder sich im Rahmen ihrer wissenschaftlichen oder künstlerischen Arbeit mit diesen Themen auseinandersetzen.

Zwischen Geschichte und Gegenwart digitaler Kontrolle

Ian Keaveny, Ecstasy of Resistance, 2024, Videostill © The Artist

Die Plattform nimmt die unsichtbaren Mechanismen algorithmischer Kontrolle in digitalen Räumen in den Blick. Ausgangspunkt sind u.a. die Werke des Glitch Artists Ian Keaveny aka crash stop, die von automatisierten Systemen in ihrer Sichtbarkeit eingeschränkt, blockiert oder markiert wurden – ein Phänomen, das als Shadowbanning bezeichnet wird. Anhand von Glitch Art, Videoarbeiten und dokumentierten Plattforminterventionen wird sichtbar, wie solche Systeme Wahrnehmung, Sichtbarkeit und kulturelle Teilhabe beeinflussen. Dabei moderieren sie Inhalte nicht nur, sondern organisieren auch Reichweite, Beziehungen und Aufmerksamkeit neu.

Zugleich eröffnet die Plattform historische Verbindungslinien zu subtilen Formen kultureller und psychologischer Steuerung bis 1989. Während diese in der DDR häufig durch staatliche Vorgaben, Zensur und soziale Kontrollmechanismen geprägt waren, entstehen heute neue Formen der Steuerung durch digitale Plattformen und Algorithmen. Inhalte werden dabei oft nicht direkt verboten, sondern ihre Sichtbarkeit gezielt beeinflusst – sie erhalten weniger Reichweite oder verschwinden aus dem Blickfeld.

Digitale Artefakte und Erfahrungsberichte gesucht

Für die Dokumentation sammeln die Kurator:innen Verena Voigt (Investigative Curator, GFZK e.V.) und Ian Keaveny aka crash stop (Glitch Artist) derzeit Fälle digitaler Artefakte, die blockiert, entfernt oder auch Profile, die in ihrer Sichtbarkeit eingeschränkt wurden; und Betroffene, die darüber berichten können. Im Fokus steht die Dokumentation aktueller Fälle (seit 2024) algorithmische Zensur sowie die Erforschung KI-basierter Moderationsprozesse.

Erfahrungen können Sie an Verena Voigt, kontakt@verena-voigt-pr.de senden.

Informationen zum Projekt

Gesellschaft für zeitgenössische Konzepte e.V.