Ein Pavillon im Stil der Odermoderne, bedeckt durch Schnee und vor dme Gebäude steht ein Baum.
Der Pavillon im Dichtereck in Ludwigsfelde. Foto: ©BKG/Kevin Fuchs

DAS ZEITGUT

Ein Projekt vom Klubhaus Ludwigsfelde und der Stadt Ludwigsfelde

Das Dichterviertel in Ludwigsfelde

Es tut sich etwas im Dichtereck, wie die zwei Pavillons mitten im Wohngebiet des „Dichterviertels“ in Ludwigsfelde von den Einwohner:innen genannt werden. Mitte der 1950er Jahre entstand die sogenannte „Sozialistische Wohnstadt“, eine denkmalgeschützte Altbausiedlung mit weit über 300 Wohnungen, verschiedenen Ladengeschäften, dem großen Klubhaus und zwei kleinen Pavillons.
Die beiden einstöckigen Gebäude stehen sich fast unscheinbar gegenüber. Zwischen ihnen, auf der Freifläche wirft eine Eiche ihren schützenden Schatten – ein Ensemble mit Potenzial.

Die Gebäude wurden verschiedentlich genutzt. In der DDR-Zeit gab es dort einen „Exquisit“-Laden, der modische Kleidung und seltenere Konsumgüter anbot. Nach der Wiedervereinigung entstand eine „Schlecker“-Filiale. Im gegenüberliegenden Pavillon befand sich ein „Delikat“-Geschäft, in denen überteuerte Pfirsichkonserven, Edelsalami oder Seidenblousons verkauft wurden. Später fand zunächst eine Fleischerei, dann eine lokale Bürgerküche hier ihr temporäres Zuhause.

Noch heute verbinden die Anwohner:innen ein diffuses Sehnsuchtsgefühl mit diesem Ort, die Gebäude stecken voller Erinnerungen und Geschichten.

Wunsch zur Mitgestaltung

Treppe und im Hintergund ein Fenster mit Glasverzierungen
Treppenhaus im Klubhaus Ludwigsfelde. Foto: ©BKG/Kevin Fuchs

Auch das imposante und hochmodern-sanierte Klubhaus – keine 150 m von den Pavillons entfernt, gehört zum Flächendenkmal „Dichterviertel“. Das Klubhaus Ludwigsfelde ist eines von ca. 2.000 ehemaligen DDR-Klub- und Kulturhäusern, die häufig Fabrikationen und Wohngebieten zugehörig waren. Die Klubhäuser waren für einen Teil der DDR-Bürger:innen ein kultureller biografischer Alltags- und Festtagsort, an dem Geburtstage, Jugendweihen oder Hochzeiten gefeiert wurden, wo getanzt, gesungen oder sich zum Feierabend verabredet wurde.

Die Emotionen, die an diesen Orten zusammenkommen und zur Identität einer Stadtgesellschaft gehören, sind bei vielen Ludwigsfelder:innen nach wie vor sehr lebendig. Das beobachten auch Marlen Trautmann und Anne Müller, die gemeinsam das Projekt ZEITGUT in Ludwigsfelde ins Leben gerufen haben.

„Wir spüren eine Sehnsucht der Menschen. Es gibt den Wunsch nach Mitgestaltung, nach einer Auseinandersetzung mit dem echten Leben der Menschen und der Stadtgeschichte“, sagt Marlen Trautmann.

Stadtgesellschaft im Wandel

Eine metallische Pyramide steht auf einem vom schneebedeckten Boden. Im Hintergrund sieht man Bäume und Bauten.
Foto: ©BKG/Kevin Fuchs

Eine lebendige Kulturlandschaft und eine positive Stadtgesellschaft benötigen konkrete Schnittstellen, Orte und Menschen. Für die Stadt Ludwigsfelde sind die Kipppunkte nach wie vor die politische und gesellschaftliche Wende von 1989 sowie die aktuellen Transformationserfahrungen durch den beträchtlichen Zuzug von Berliner:innen sowie nationalen wie internationalen Arbeitnehmer:innen und ihren Familien. Auch ziehen immer mehr ehemalige Ludwigsfelder:innen zurück in ihre Heimatstadt. Was mitunter liebevoll als „Wachstumsschmerzen“ bezeichnet wird, entpuppt sich durchaus als Hindernis, die unterschiedlichen Lebensrealitäten zusammenzubringen. Den Menschen fehlt eine gemeinsame Schnittmenge.

„Es klingt einfach, ist in der Gestaltung aber höchst herausfordernd – was hat uns geprägt und wie prägen wir?“ Für Anne Müller ist das eine der zentralen Fragen des Projektes.

Das Programm

Von März bis Dezember 2026 bietet DAS ZEITGUT in und um die Pavillons herum Workshops, Veranstaltungen, Tanz und Lesungen, ökologische Projekte, Feste, einen Markt, akustische Stadtspaziergänge, Video- und Klanginstallationen. Dabei entsteht ein Versuchsort, ein gemeinsames Kultur-Labor, weniger ein statisch-fertiges Kulturprogramm.

Marlen Trautmann wohnt und arbeitet in Ludwigsfelde, und sie sagt: „DAS ZEITGUT ist ein vollkommen neuartiges Format für die Stadt. Mich interessiert enorm, wie die Menschen die Themen und die Pavillons neu- oder wiederentdecken und zu einem Teil ihres Lebens machen. Dabei stellt sich mir die Frage, was und wen ein lebendiger Kulturort braucht und wie wir gleichzeitig eine strukturelle Beweglichkeit bewahren, damit der Ort lebendig bleibt“.

Die Macher:innen und die Netzwerke

Zwei Personen stehen vor einer weißen Wand und einem großen Schaufenster
Die Projektverantwortlichen Marlen Trautmann und Anne Müller. Foto: ©BKG/Kevin Fuchs

Den beiden Organisatorinnen Marlen Trautmann und Anne Müller war es besonders wichtig, ein heterogenes Netzwerk aus Künstler:innen, Musiker:innen, Biolog:innen, Autor:innen, Regisseur:innen zusammenzustellen. Beispielhaft zu nennen sind Künstler:innen der Vereine VorOrtung e. V., 1 ha Zukunft e. V. sowie Mehrblick und Ton e. V. Außerdem kooperiert die Stadt zum einen mit der Fachhochschule Potsdam, mit den Musiker:innen der Musik- und Kunstschule Ludwigsfelde, zum anderen aber auch mit der Imkerei Ludwigsfelde und dem Female Photoclub Berlin, Brandenburg.

Informationen zum Projekt

Informationen zu Ihrem Besuch

Auftakt 2. März 2026

Laufzeit März bis Oktober 2026

Ort Dichtereck Ludwigsfelde
Theodor-Fontane-Straße, 14974 Ludwigsfelde

Weitere Termine und Informationen zum Programm erhalten Sie auf kulturland-brandenburg.de und klubhaus-ludwigsfelde.de.

Stadt Ludwigsfelde, Klubhaus Ludwigsfelde