Kohlenwerke
Ein Projekt von Kohlengrube e.V.
Ein Kohlefund vor den Toren Berlins
1886. In Paris entsteht der Eiffelturm, in London die Tower Bridge, in New York wird die Freiheitsstatue eingeweiht. In Berlin beginnt der Bau des Reichstags und im Wald bei Töpchin der Abbau von Kohle. Ein seltsamer Zufall der Geschichte?
Tatsächlich. Der Kohlefund vor den Toren Berlins versprach in den Annoncen der Zeit ein nahezu unerschöpfliches Vorkommen. Eine Sensation, die Sehnsüchte erfüllen und der Berliner Braunkohle AG Millionen an Goldmark in die Kassen spülen sollte. Allerdings waren die Bilanzen gefälscht und nur wenige Jahre später wurden der Abbau eingestellt und der Tagebau geflutet.
Das Ensemble heute
Es entstand ein idyllischer Waldsee, auf dessen Grund noch heute die Reste der technischen Abbauanlagen zu finden sind. Sie bilden samt See und dem ehemaligen Zechenhaus ein denkmalgeschütztes Ensemble.
Heute wird das ehemalige Zechenhaus, das seit 2021 durch Brandstiftung stark beschädigt wurde, behutsam restauriert und als Kunsthaus aktiviert. Der Verein Kohlengrube e. V. entwickelt hier ein kulturelles Programm in Einklang mit der Natur und der Geschichte des Ortes.
Das schwarze Loch
Gemeinsam mit dem Förderverein Töpchin e. V. entsteht 2026 ein Theaterstück unter der Leitung des Künstlers Wolfgang Georgsdorf. Darin wird die kriminelle Geschichte der Kohlengrube aufgearbeitet und inszeniert. Die Dramaturgie spannt den Bogen von den Anfängen bis heute und feiert die Dorfbewohner:innen in tragenden Rollen ihrer eigenen Geschichte. Die ersten Vorstellungen des Stücks mit dem verheißungsvollen Titel „Das schwarze Loch“ sind für den Herbst 2026 am historischen „Tatort“ geplant.
Internationale Künstler:innen
Im Sommer zeigt der kanadische Künstler Michel de Broin eine Skulptur im kleinen Waldsee. Das Kunstwerk schwebt wie ein Diamant auf der Wasseroberfläche, ist jedoch von einem Stück Braunkohle inspiriert. Diamanten und Kohle werden in ihrer Wertigkeit oft gegensätzlich dargestellt, bestehen im Grunde aber aus dem gleichen Stoff: Kohlenstoff. Damit nimmt die Skulptur auf beeindruckende Weise Bezug auf die Entstehungsgeschichte des Ortes.
Auch die Künstlerin Anne Duk Hee Jordan taucht in die Geschichte des Tagebaus ein. Als Professorin für Umweltkunst und erfahrene Taucherin erkundet sie den gefluteten Ort filmisch und erforscht das Zusammenspiel von Natur und Bergbau unter Wasser. Mit ihrer Arbeit nimmt sie uns mit auf eine multimediale Expedition in die Tiefen des postindustriellen Ökosystems.
Der Bildhauer Tilman Wendland entwickelt für das Zechenhaus eine raumgreifende Installation, die sich auf die historische Architektur bezieht. Aus nachhaltigen Materialien gestaltet er temporäre Strukturen, die sich poetisch in die Umgebung einfügen und Themen wie Kreislauf, Fragilität und ökologische Verantwortung reflektieren. Wendland, der häufig mit Papier und Holz arbeitet, zieht seine Inspiration aus dem Wald und integriert Licht, Natur und Landschaft achtsam in seine Arbeit.
Mit dem „House of Paper“ wird am Zechenhaus 2026 eine ortsspezifische Variante des berühmten Fluxus-Werkes „House of Dust“ der Künstlerin Alison Knowles (1933–2025) realisiert. Das neue Werk verwandelt einen Absatz aus dem ersten algorithmisch erzeugten Gedicht der Geschichte (1966) in eine ortsspezifische Skulptur. An der Kohlengrube treffen somit frühe Computerkunst und Poesie auf die natürliche Intelligenz des Waldes.
Von hier aus Zukunft
Auch wenn die Giebel des alten Zechenhauses im Wald bei Waldeck noch immer ohne Dach weit auseinander stehend in den Himmel ragen, so kommen zwischen ihnen doch Menschen zusammen, knüpfen neue Freundschaften und deuten schon jetzt auf die Zukunft dieses historischen Ortes hin: der Entstehung eines neuen Kunsthauses.
Ein Text von Birgit Ostermeier.
Informationen zum Projekt
Informationen zum Veranstaltungsprogramm
Eröffnung Sommer 2026
Ort ehemaliges Zechenhaus im Wald von Waldeck
Zur Kohlengrube 6, 15749 Töpchin
Weitere Informationen zum Projekt, den kommenden Ausstellungen und Veranstaltungen erhalten Sie auf kulturland-brandenburg.de und auf www.kohlengrube.org.