Foto vom Flußufer auf eine Insel mit verschiedenen historischen Gebäuden und einem Kirchturm
Dom zu Brandenburg und Dominsel © BKG, Foto: Kevin Fuchs

Das war unser Festakt am 7. Juni in Brandenburg an der Havel

Am 7. Juni 2024 lud Kulturland Brandenburg ab 15 Uhr zu einem ganz besonderen Veranstaltungshighlight auf die Dominsel nach Brandenburg an der Havel ein. Im Zeichen des aktuellen Themas „Welten verbinden“ feierten wir gemeinsam mit unseren Gästen das Land Brandenburg als eine vielfältige, global vernetzte Region in der Mitte Europas.

Es handelte sich nicht nur um ein wunderbares, hochkarätiges Veranstaltungsprogramm mit Acts wie der Crucchi Gang, den Balagan Sisters oder Tanasgol Sabbagh, es fand auch an einem der ältesten Orte des Landes Brandenburg statt, den Kulturland Brandenburg einmalig mit Sound- und Videoperformances von Künstler:innen aus Brandenburg an der Havel und Dresden in einem ganz anderen Licht erstrahlen ließ.

Die neue Jahresausstellung im Dommuseum Brandenburg

Zwei Menschen schauen durch ein Mikroskop auf ein altes Kleidungsstück.
Restaurierung von Exponaten für die neue Jahresausstellung "Keine Frau. Nirgends" © BKG, Foto: Kevin Fuchs

Auf den ersten Blick lebten und wirkten auf der Dominsel und im Domstift ausschließlich Männer. An entscheidenden Positionen war über die Jahrhunderte hinweg keine Frau sichtbar. Doch schaut man genauer hin und richtet den Blick auf die im Dom und im Domschatz bewahrten Zeugnisse, stellt sich ein deutlich anderes Bild dar.

Anlässlich der Jahresausstellung des Dommuseums „Keine Frau. Nirgends“, die sich mit den überregionalen und internationalen weiblichen Beziehungsgeflechten sowie einem von Frauen ausgehenden Kultur- und Kunsttransfer von und nach Brandenburg widmet, ist der Dom zu Brandenburg der ideale Ort für den Festakt.

Weitere Informationen zur Ausstellung "Keine Frau. Nirgends" im Dommuseum Brandenburg

Programmhighlights

15-16.30 Uhr im Dom zu Brandenburg

Innenraum einer Kirche mit Rund- und Spitzbögen, vielen Stühlen und einem Altar.
Dom zu Brandenburg, Innenraum mit Blick auf den Altar und den Hochchor, © BKG, Foto: Kevin Fuchs

Die Dichterin Tanasgol Sabbagh eröffnete den Festakt.

Es begrüßten
Katja Melzer, Geschäftsführerin der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte gGmbH
Dr. Marianne Schröter, Vorständin für Kultur, Bildung und Wissenschaft am Domstift Brandenburg

Grußworte hielten
Dr. Manja Schüle, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg
Rainer Genilke, Minister für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg
Ludger Weskamp, Geschäftsführender Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbands

Es moderierte
Christian Müller-Lorenz, Leiter Kulturland Brandenburg

Musikalisch begleitet wurde der Festakt vom internationalen Ensemble der Kammerphilharmonie Berlin-Brandenburg. Sie spielten das 3. und 4. Brandenburgische Konzert von Johann Sebastian Bach und wurden vom dem Beatboxer und Loopartist Daniel Mandolini begleitet. Das Konzert findet in Kooperation mit den Brandenburgischen Sommerkonzerten statt.

Zum Festakt erstrahlte das Innere des Doms einmalig in einer multimedialen, sensualen Kunstinstallation von Anne Müller, Johannes Till und Martin Müller. Unter dem Titel treat me friendly wurden Kirchenschiff, Hochchor und Krypta zeitgenössisch transformiert. Inmitten der Installation in der Krypta performte Johannes Till mit seinem „Soundmonolithen“, bestehend aus analogen Kassettenplayern, Instrumentarium und Synthesizern.

17 Uhr auf dem Hof des Doms zu Brandenburg

Ab 17 Uhr präsentierten Barbara Ehwald (Gesang), Charles Frelon (Cello) und Rose Y.M. Wagner (E-Piano) vertonte Gedichte von Selma Merbaum. Die in deutscher Sprache schreibende Lyrikerin war 1942 in einem nationalsozialistischen Zwangsarbeitslager ermordet worden. Der Verein Buckowina e.V. erinnert anlässlich des 100. Geburtstages von Selma Merbaum an das Leben und Werk der aus der Bukowina stammenden Autorin. Gemeinsam mit dem Paul Celan Literaturzentrum in Czernowitz (Ukraine) wurde ein Austausch mit brandenburgischen und ukrainischen Schriftsteller:innen über die Bedeutung des Schreibens und der Sprache in Zeiten des Krieges gestartet. Das Konzert bietet einen Einblick in das Programm des Projektes und in das Werk von Selma Merbaum.

17.30 Uhr in der Krypta des Doms

Ab 17.30 Uhr lud Johannes Till in der Krypta des Doms zu Brandenburg zu einer partizipativen Soundperformance mit seiner Installation „Soundmonolith“ ein.

Dieser soll, bestehend aus analogen Kassettenplayern, Instrumentarien und Synthesizern, als eine bewusste Abwendung von den Möglichkeiten digitaler Klangerzeugung und als eine Reminiszenz an den dominierenden Tonträger der 1970er bis 90er Jahre: das Magnettonband verstanden werden. Loops werden durch das Zusammenschneiden von Tonbändern physisch erzeugt. Melodien entstehen durch die Manipulation der Abspielmechanik. Die gute, alte Kassette wird zum Instrument. Und so ließ Johannes Till  aus einer aufwändigen Reduktion der Mittel, ungewöhnlich einzigartige, handgemachte Klangereignisse entstehen.

 

18.30 Uhr auf dem Hof des Doms zu Brandenburg

Ein ganz besonderes Konzerthighlight erwartete die Gäste ab 18.30 Uhr mit dem Auftritt der Crucchi Gang. Das Akustik Duo bestehend aus Francesco Wilking (Tele, Höchste Eisenbahn) und Patrick Reising sang gemeinsam mit den Gästen deutsche Indiesongs auf Italienisch und trieb uns so den Schwermut aus. Gemeinsam feierten wir die Liebe zum Sommer, zum Eis und zur guten Laune.

Der Eintritt zum Konzert war kostenfrei.

20 Uhr auf dem Hof des Doms zu Brandenburg

Last but not least legten ab 20 Uhr die Balagan Sisters auf. Als Esri Meshugga und Zerah Tohuwabohu verbinden die beiden Schwestern mit ihrer Musik Einflüsse aus der ganzen Welt und rundeten unser Programm in Brandenburg an der Havel wunderbar ab. Wurde ja auch Zeit, schließlich legten die beiden das erste Mal in Brandenburg an der Havel auf.

Führungen, Mitmachen und Genießen

Führungen durch die Ausstellung des Dommuseums „Keine Frau. Nirgends“ fanden um 17.15 Uhr, 18.15 Uhr und 19.15 Uhr statt. Führungen durch den Dom zu Brandenburg wurden um 18 Uhr und 19 Uhr angeboten.

Am Nachmittag und Abend informierten unter anderem Engagement Global, der Kulturzug Berlin-Wrocław, die Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg, das Domstift Brandenburg sowie die Brandenburgische Gesellschaft für Kultur und Geschichte gGmbH über ihre Arbeit.

Der Verein Bukowina e.V. war mit ausgewählten Büchern der Buchhandlung Wohlbehagen Buckow vor Ort und kulinarisch wurden unsere Gäste von Globus Naturkost aus Eberswalde versorgt.

Beteiligte Künstler:innen

Tanasgol Sabbagh

Eine Person steht vor einem Mikrofon, im Hintergrund ist ein Computer und ein Teil eines projizierten Bildes zu erkennen.
Tanasgol Sabbagh, © Foto: Lena Kocutar

Tanasgol Sabbagh präsentiert ihre literarischen Arbeiten in Performances, Audiostücken, Videoinstallationen und musikalischen Kollaborationen. Sie ist Mitbegründerin des Künstler:innenkollektivs parallelgesellschaft sowie der gleichnamigen Veranstaltungsreihe, die politische Kunst abseits der deutschen Leitkultur verhandelt. Gemeinsam mit der Lyrikerin Josefine Berkholz ist sie Gründerin des auditiven Literaturmagazins Stoff aus Luft: Ein Format das gesprochene und klangbasierte Literatur in den Vordergrund stellt. Tanasgol lebt in Berlin.

Mehr zu Tanasgol Sabbagh bei haus-fuhr-poesie.org

Crucchi Gang

Zitronen hängen in einem Beutel von der Decke, zwischen Palmenzweige. Darunter der Schriftzug Crucchi-Gang. Auf dem Boden liegen Teile eines antiken Tempels und eine Hand einer Statue hält eine Zigarette. Überall sind Zitronen und Eis und Drinks zu sehen.
Cover des Albums "Fellini" der Crucchi Gang, © Crucchi Gang

Benvenuti in Italia, Amore e Musica – Musik, die die große Liebe zu Italien feiert und nach Sommer, Disco, Eis und, ja!, Europa klingt.

Geboren wurde die Idee in Berlin, irgendwann beim gemeinsamen Biertrinken von Francesco Wilking (Die Höchste Eisenbahn, Tele) und Sven Regener (Element Of Crime): Deutschsprachige Musiker:innen singen ihre eigenen Songs auf Italienisch und daraus wird eine Platte.

Die Crucchi Gang – eigentlich eine abwertende Bezeichnung für die Deutschen, die hier gekapert und positiv angeeignet wird – will mit ihren Songs einen musikalischen Alpenpass eröffnen, eine direkte Verbindung ans Mittelmeer. Hier wird gehuldigt, dass es kracht, einer Sprache, einem Land, einer Kultur! Es geht um „Musik kennt keine Grenzen“ und „Europa ist kein Quatsch“. Es geht um Liebe und Stil und darum, ein paar von den schönen, deutschen Bildern in die italienische Sprache zu transportieren.

Gemeinsam mit Patrick Reising spielt Francesco Wilking am Abend des Festaktes als Crucchi Gang Akustik Duo.

Balagan Sisters

Zwei Menschen sitzen vor einem Rolltor auf dem Boden. Sie tragen Stiefel mit Absätzen, auf dem Boden ist ein gelbes Kreuz aufgeklebt.
Die Balagan Sisters, Foto: © Balagan Sisters

Like two astronauts reaching for the stars in a rocket made of sound.

Die Balagan Sisters zeichnen sich besonders durch ihren mitreißenden Enthusiasmus hinter den Decks aus, welche auch die künstlerische Seele ihrer kulturellen Wurzeln Wiederspiegeln. Mit einem Mischmasch aus Berliner, jüdischer, türkischer und tunesischer Kultur aufgewachsen, verflechten die zwei Schwestern ihre traditionellen Einflüsse in ihre musikalischen Tüfteleien. Ihre Sets sind eine rhythmische Reise zu verschiedenen Orten der Welt mit kosmischen Vizes und tiefen Deep House Bässen im Gepäck. Ob zwischen Wald und Wiese, am Meer, in Clubs oder auf urbanen Dachterassen. Ihr DJ-Debut hatten sie an der Juice Bar auf dem Garbicz und waren Residents in Berliner Bars wie der Filmkunstbar Fitzcarraldo oder der Ada Bar.

Mehr Informationen zu den Balagan Sisters auf Instagram.

Johannes Till

schwarz/weiß-Porträt einer Person mit einem Oberlippen- und einem Kinnbart. Die rechte Seite des Gesichts liegt im Schatten.
Johannes Till, Foto: © Johannes Till

Johannes Till arbeitet seit 2015 als freiberuflicher Musiker, Komponist und Sounddesigner. Seit seinem Studium zum Jazz Gitarristen an der Jazz & Rock Schule Freiburg sowie dem Newpark Music College Dublin ist er mit einer Vielzahl von Bandprojekten sowie Tanz- und Theaterstücken im In- und Ausland aktiv. Unter anderem mit Produktionen am Ballet de Monte Carlo, Tanzhaus NRW Düsseldorf, Baumwollspinnerei Leipzig, Semper Oper Dresden, Staatstheater Nürnberg, Festspielhaus Hellerau,  Kunsthalle Faust Hannover, Schauspielhaus Dresden, Kinani Contemporary Dance Festival Maputo und der Lincoln Performance Hall Portland. Johannes Till lebt in Dresden.

 

Mehr Informationen zu Johannes Till

Anne Müller

Eine Person sitzt in einem Holzgestell aus weißen Latten, schwarz/weiß Bild
Anne Müller, Foto: © Anne Müller

Die Künstlerin und Musikerin Anne Müller ist in Ostberlin geboren und aufgewachsen. Sie studierte Musikwissenschaft und Musikethnoligie an der FU-Berlin und Audio-Visuelle Medienwissenschaft an der Filmhochschule Konrad Wolf in Potsdam-Babelsberg. Mit ihren Kunstperformances, Sound- und Videoinstallationen, Zeichnungen und Polaroid-Lyrik-Arbeiten war Anne Müller in zahlreichen Kunstvereinen, Kunstfestivals, Galerien und den Europäischen Kulturhauptstädten Valletta und Wrocław zu erleben. Neben Clubtouren führten sie ihre Musikprojekte mit dem Goethe-Institut auf Konzerttouren nach Brasilien, Lettland und Neuseeland.

Mehr Informationen finden Sie auf der Website anne-mueller.net.

Martin Müller

Eine Person steht zwischen zwei mannshohen Gemälden, die an einer Wand hängen.
Martin Müller, Foto: © Martin Müller

Martin Müller ist Maler, Grafiker, Gestalter, Kurator, promovierter Kunsthistoriker (bei Prof. Dr. Dr. h.c.mult. Peter Ludwig, Uni Köln). Er ist Gründungsdirektor des Museums PAN Kunstforum, Emmerich (1993-2007), war 2009-2012 Direktor des Kunstfestivals OSTRALE (mit Andrea Hilger) und gründete 2015 mit Anne Müller das internationale Kunsthochschulnetzwerk „IAM international art moves“. Seit 1993 hat er mehr als 300 Ausstellungen als Künstler und Kurator in Deutschland, England, den Niederlanden, Frankreich, Belgien, Malta, Zypern, Korea, Russland und den USA umgesetzt.

Weitere Information zum Künstler finden Sie auf buero-mueller.net.

Barbara Ehwald

Porträt einer Frau mit blonden Haaren, die an der Kamera vorbeisieht und lächelt.
Barbara Ehwald, Foto: © Barbara Ehwald

Barbara Ehwald, Sopran, wurde in Berlin geboren. Sie studierte an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Gesang. Seit der Zeit Ihres Studiums führen sie Gastspiele und Konzertengagements an verschiedenste Bühnen Berlins und Umgebung. (u.a. Berliner Ensemble, Schloßparktheater, Cité de la Musique Paris, Neuköllner Oper, Konzerthaus am Gendarmenmarkt Berlin, Opernhaus Halle etc.). Sie ist als Solistin im Bereich Lied/Konzert/Operette tätig.

Seit 2011 leitet sie neben ihrer Konzerrttätigkeit als Sopran das Ensemble AMSELFON, mit dem sie in der Tradition von Claire Waldorff, Friedrich Holländer, Django Reinhard, Charles Trenet und Cole Porter eigene Lieder mit Berliner Dialekt und Berliner Witz schreibt und performt. Darüberhinaus komponiert und singt sie Filmmusik und widmet sich gemeinsam mit ihrem Kollegen Charles Frelon einer selbst ins Leben gerufenen Kammermusikreihe in Berlin im Kammermusiksaal Prinzenallee.

Charles Frelon

Person sitzt an einem Cello.
Charles Frelon, Foto: © Charles Frelon

Charles Frelon ist ein französischer Cellist und Komponist und wurde in Berlin geboren. Von 2008 bis 2012 studierte Charles Frelon Cello bei Ernst Münch, Jean-Charles Regin und Markus Jenny in Paris. Anschließend setzte er seine Studien bei Taisuke Yamashita am Conservatorio della Svizzera Italiana in Lugano fort.

Zwischen 2016 und 2018 war er Leiter einer Theaterschule in Genf und schrieb in dieser Zeit mehrere Theaterstücke, die dort auch aufgeführt wurden. Ein 2015 von ihm verfasstes, Beethoven gewidmetes Theaterstück wird weiterhin gespielt, zuletzt unter anderem in Genf und in Portugal. Seine erste Komposition, eine Klaviersonate, wurde 2012 beim Festival Classique de la Madeleine in Genf uraufgeführt. Zwei Jahre danach wurden eine auf Goethes „Werther“ basierende Symphonie im Opernhaus von Angers und in den Jahren 2015 und 2016 sein Klavierquartett in Frankreich und der Schweiz mehrfach aufgeführt. Seit 2023 ist er Gründer und Leiter des Kammermusiksalons Prinzenallee in Berlin und Direktor der Deutsch-Französischen Musikschule in Berlin.