schwarz-weiß Bild, Reihe hoher Bäume auf einem Schotterfeld, im Hintergrund flache Baracken
ehemaliges Lagergelände des Konzentrationslagers Ravensbrück in Fürstenberg/Havel Foto: Marlene Kaun © Kulturland Brandenburg 2020

#WeRemember

Online-Lesung anlässlich des internationalen Holocaust-Gedenktages

"Ich bin allein in der Nacht"

Die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück erinnert am 27. Januar anlässlich des internationalen Holocaust-Gedenkttages mit einer gemeinsamen Lesung an die Opfer des Nationalsozialismus. Es werden Erinnerungen und Selbstzeugnisse von Häftlingen und Überlebeden des Konzentrationslagers Ravensbrück gelesen.

Die gemeinsame Lesung „Ich bin allein in der Nacht“ blickt auf den Zellenbau des KZ Ravensbrück im Spiegel von Selbstzeugnissen (1939-1945).

Die Sprache der Erinnerung

Unsere Erinnerungskultur stützt sich heute maßgeblich auf die Quellen, die uns aus der Zeit des Nationalsozialismus hinterlassen wurden. Wie wir erinnern hängt dabei vor allem von der Urherber:innenschaft dieser Quellen ab. Das Schicksal der Jüdinnen und Juden, der Sint:izze und Rom:nja, der Osteuropäer:innen, der Sozialist:innen und Kommunist:innen, der Christ:innen und der Widerstandskämpfer:innen braucht auch heute noch authentische Stimmen. Ohne die Sprache der Opfer könnten wir über das unvorstellbare kaum berichten.

Ein Tag der Erinnerung

Der 27. Januar ist ein Tag der Erinnerung. Ein Tag, an dem wir uns solidarisch mit den Opfern antisemitischer und rassistischer Gewalt zeigen. Überall in den Zeitungen, im Fernsehen und Rundfunk, auf Social Media zeigen Menschen den Hashtag #WeRemember.

Am 27. Januar werden aber auch jüdische Stimmen laut, die darauf hinweisen, dass die Stimmen der Überlebenden und der Hinterbliebenen jüdischer Opfer in dieser Erinnerungspraxis zu selten zu Wort kommen. Der 27. Januar darf nicht zum Selbstzweck werden. Er muss ein Tag der lebendigen Erinnerungskultur bleiben. Hören Sie jüdische Stimmen, lassen Sie Menschen zu Wort kommen, die die Schoah überlebt haben, lesen Sie Texte Überlebender und sprechen Sie mir Hinterbliebenen.

Der 27. Januar soll ein Tag sein, um sich an die Schicksale der Opfer rassistischer und antisemitischer Gewalt zu erinnern. Doch ein Tag genügt nicht, um die rechtsextreme Gewalt, das Erstarken des Antisemitismus in Deutschland entgegenzutreten. Die Journalistin Ayala Goldmann hatte in der Jüdischen Allgemeinen zurecht darauf hingewiesen, dass ein Tag eher Symbolpolitik sei, „aber Symbolpolitik reicht nicht aus. Wir sollten jetzt schon darüber nachdenken, was in den nächsten Jahren passieren soll.“ (Jüdische Allgemeine vom 9. Januar 2020)