Konferenzsaal

Die Entstehung des polnischen Nationalismus im Spannungsfeld von Russland und Preußen

Ein Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung „Polen zwischen Preußen-Deutschland und Russland – Geschichte einer schwierigen Nachbarschaft“ veranstaltet von der Universität Potsdam in Kooperation mit dem HBPG.

Referentin: Dr. Maria Rhode, Georg-August-Universität Göttingen

Die Bestimmungen des Wiener Kongresses 1815 signalisierten die Rückkehr zur alten, vorrevolutionären Ordnung und zementierten die territorialen Verhältnisse in Zentraleuropa für Jahrzehnte. Dennoch war das Verhältnis der polnischen Öffentlichkeit zu den Nachbarn im Osten und Westen nicht fest und statisch. Ihre Vorstellungen darüber, wie ein eigener souveräner Status wiedererlangt werden könnte, hingen stark von der politischen und zivilisatorischen Einschätzung der Entwicklungen in Preußen und Russland ab, und auch umgekehrt war das „Polenbild“ der Nachbarmächte nicht durchgehend gleich. Der Vortrag zeichnet die gegenseitigen Einschätzungen und die Dynamik zwischen ihnen und der Entwicklung des polnischen Nationalismus nach.

Die Ringvorlesung

Der russische Angriffskrieg in der Ukraine führte in Deutschland nicht nur zu einem radikalen und kritischen Überdenken der deutschen Russland-Politik, sondern auch zur verstärkten Wahrnehmung der Außenpolitik Polens. Die aktuelle Diskussion über die europäische Sicherheit hat erneut bewiesen, wie nachhaltig die Geschichte das Verhältnis von Polen,
Russland und Deutschland beeinflusst und wie sehr die Bereitschaft, sich angemessen mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, die gegenseitigen Wahrnehmungen erleichtern oder erschweren kann. Seit sehr langer Zeit versucht Polen, sich gegen fremde Vorherrschaft und Einflussnahme zu erwehren. Die konfliktreichen historischen Erfahrungen Polens mit Russland waren aber auch zuweilen auch das Ergebnis einer preußisch- beziehungsweise deutsch-russischen Übereinkunft. Diese historischen Zusammenhänge nimmt die Vortragsreihe zum Anlass, sich daran zu erinnern, was Preußen, Polen und Russland seit Jahrhunderten auseinandergetrieben oder auch zusammengehalten hat. In elf Vorträgen wird der Versuch unternommen, von der Dynamik der konkreten historischen Ereignisse und Konstellationen her zu einer kritischen Reflexion über die preußisch- beziehungsweise deutsch-polnisch-russischen Beziehungen zu gelangen, und zwar in einer breiten Zeitspanne von rund fünf Jahrhunderten.

Organisation:
Prof. Dr. Matthias Asche, Universität Potsdam
PD Dr. Agnieszka Pufelska, Universität Potsdam/Nordost-Institut Lüneburg

Eintritt und Anmeldung

Der Eintritt ist frei.
Eine Anmeldung wird empfohlen unter kontakt@gesellschaft-kultur-geschichte.de oder telefonisch unter +49 331 620 85 50