Ein Escaperoom aus Holzrahmen und Bildplatten
© Nadine Redlich

Wir wollen wenigstens gehört werden!

Jugendliche aus Beeskow zu Besuch im HBPG

Ein Blogbeitrag zu #anbahnenundorten und zur Entwicklung des Escape Rooms

An zwei Terminen im November und Dezember entwickelten Anna (13), Annie (14), Darleen (13), Emy (15) und Paul (18) aus Beeskow und Umgebung gemeinsam mit der Medienpädagogin Pauline Recke einen Escape Room für die Ausstellung „Morgen in Brandenburg. Werkstatt für Zukünfte.“

Im Interview mit Kathrin Haase erzählen sie von ihren Workshop-Erfahrungen, wie es ist, als Jugendliche:r auf dem Dorf festzustecken und was sie sich für die Mobilität auf dem Land wünschen.


KH: Warum habt ihr euch entschieden, an dem Workshop teilzunehmen?

Paul: Immer wenn sich mir die Gelegenheit bietet, spiele ich selbst Escape Rooms und als ich gehört habe, dass es diesen Workshop gibt, wollte ich sofort dabei sein. Selbst einen Escape Room zu erstellen, hat mich interessiert und ist etwas ganz anderes als einen zu spielen.

Emy: Ich habe zwar erst einmal einen Escape Room gespielt, aber ich habe schon als Kind gerne Rätsel gelöst, das hat mir immer Spaß gemacht.

 

KH: Wie sind die Workshops abgelaufen und was hat euch am besten gefallen?

Anna: Beim ersten Termin in Beeskow haben wir zuerst selbst Rätsel gelöst, dann haben wir überlegt, welche Themen interessant sind und welche Rätsel wir nehmen können. Bei beiden Terminen haben wir auch Videos gedreht. Dann haben wir entschieden, wie wir alles miteinander verknüpfen können.

Darleen: Es ist einfach schön, eigene Ideen zu entwickeln und selbst gestalten zu können.

Emy: Im HBPG macht es viel Spaß. Ich war noch nie in einem Gebäude, wo so viel Geschichte drinsteckt. Ich war auch lange nicht mehr in einem Museum und ich interessiere mich für Geschichte, das ist mein Lieblingsfach in der Schule.

Anna: Mir hat am besten gefallen, die Videos zu drehen. Es hat echt Spaß gemacht, sich selbst zu spielen und nicht in eine ganz andere Rolle schlüpfen zu müssen.

 

KH: Der Escape Room läuft ja unter dem Titel #anbahnenundorten. Was bedeutet das?

Paul: Es geht uns darum zu zeigen, dass man zwischen den Orten und Dörfern mehr Busverbindungen braucht, mehr Wege schaffen muss. Das wollen wir auch den Besucher:innen der Ausstellung zeigen. Es gibt in Brandenburg den Paragraf 18a, der sagt, dass Jugendliche Mitspracherecht haben. Darauf wird aber nicht viel eingegangen und wir wollen wenigstens gehört werden.

Annie: Durch den Workshop ist mir das Problem erst viel mehr aufgefallen und das ist natürlich ein wichtiges Thema.

 

KH: Könnt ihr die Situation bei euch vor Ort beschreiben?

Emy: Ich muss drei Kilometer bis zum Bahnhof ins nächste Dorf laufen, die Busse fahren selten.

Anna: Ich habe viele Freundinnen, bei denen nur zwei Mal am Tag der Bus fährt und am Wochenende gar keiner. Daher finde ich das Thema wichtig, weil es wirklich nötig ist, dass mehr Busse und Züge fahren.

Paul: Das größte Problem ist, dass in den Ferien keine Busse fahren. Seitdem ich den Führerschein habe, fühle ich mich viel freier und unabhängiger. Meine Eltern haben einen großen Hof und meine Großeltern sind schon alt, die können mich nicht immer überall hinfahren. Auch mit der Schule ist es einfacher, es ist ja viel ausgefallen in letzter Zeit.

 

KH: Wie möchtet ihr beteiligt sein?

Annie: Ich kann mich durch dieses Projekt beteiligen. Aber sonst nicht. Ich glaube nicht, dass das so viel bringt – zumindest nicht in unserer Region.

Darleen: Wir haben keine Möglichkeit, Wünsche zu äußern. Wir müssen uns als Gruppe zusammenschließen und so auf uns aufmerksam machen. Die Besucher:innen sollen darauf aufmerksam werden.

 

KH: Stellt euch vor, ihr dürft entscheiden. Was macht ihr?

Darleen: Ich würde einen Bahnhof bauen, wo die Züge nicht nur in eine Richtung, sondern in viele Richtungen fahren.

Emy: Ich würde auch einen Bahnhof bauen, das war auch mal in Planung – damit jede Stunde ein Zug fährt oder wenigstens mehr Busse.

 

KH: Warum sollten Besucher:innen den Escape Room spielen?

Anna: Weil es Spaß macht, weil es eine neue Erfahrung ist und weil es darauf hinweist, wie es den Jugendlichen geht, wenn sie irgendwohin wollen. Erwachsene sollen den Escape Room spielen, damit sie sich in die Lage von Jugendlichen versetzen können.

 

 

Alle Fotos:
© Kathrin Haase