Brandenburg.Studio
Funkstille? Koloniale Stimmen zwischen Brandenburg und Togo
„Über koloniale Archive, akustische Erinnerung und die Macht des Hörens“ – Hörspiel & Gespräch mit Lene Albrecht, Anouschka Trocker und Amine Abdel Mohammed
Eine Veranstaltung im Rahmen der Ausstellung „Signale der Macht“ am Tag des offenen Denkmals im Brandenburg Museum
Veranstaltungsdetails
Was bleibt von kolonialer Vergangenheit – in Archiven, in Landschaften, in Stimmen?
Das Hörspiel Kamina von Lene Albrecht (Deutschlandfunk Kultur, 2025) verwebt dokumentarische Recherche mit poetischer Fiktion und erzählt von der deutschen Funkstation in Togo, ihrer Zerstörung 1914 – und ihrer symbolischen Rückkehr nach Brandenburg. Die Autorin begibt sich auf Spurensuche in Nauen, begegnet alten Plänen, neuen Fragen und den Echos einer Geschichte, die nie ganz vergeht.
Begleitet wird die Hörspiel-Aufführung von einem Gespräch mit Beteiligten aus Kunst, Politik und Radiopraxis über Erinnerung, koloniale Kontinuitäten und das Politische im Zuhören.
Die Veranstaltung ist Teil des Begleitprogramms zur Ausstellung „Signale der Macht. Nauen, Kamina, Windhoek“. Diese widmet sich kolonialen Kommunikationsnetzwerken, deren technologische Infrastrukturen – von der Funkstation Nauen bis zu heutigen Datenkabeln – noch immer globale Machtverhältnisse prägen. Kamina greift diese Themen auf und eröffnet einen neuen akustischen Zugang zu Geschichte und Gegenwart.
Künstlerische Perspektive auf koloniale Infrastrukturen
Die Veranstaltung ist Teil des Rahmenprogramms zur Ausstellung „Signale der Macht. Nauen, Kamina, Windhoek“, die sich mit kolonialen Kommunikationssystemen, technologischem Machtanspruch und globalen Verflechtungen beschäftigt. Das Hörspiel Kamina knüpft an zentrale Motive der Ausstellung an: die Rolle drahtloser Telegrafie als Herrschaftsinstrument, der Zusammenhang von Infrastruktur und Gewalt, sowie die Frage, wie Erinnerung medial gestaltet und vermittelt werden kann. Das Hörspiel und Gespräch findet in der Ausstellung statt – ein Ort, an dem historische Archivmaterialien auf zeitgenössische künstlerische Reflexion treffen.
Programm (14:00–16:00 Uhr)
- 14:00–14:10 Begrüßung
- 14:10–14:25 Einführung von Lene Albrecht (Autorin)
- 14:25–14:50 Hörspiel-Ausschnitt aus „Kamina“ (ca. 20 Minuten)
- 14:50–15:30 Gespräch mit:
- Lene Albrecht
- Anouschka Trocker (Regisseurin)
- Abdel Amine Mohammed (Sprecher, Politikwissenschaftler)
- Moderation: Dr. Katalin Krasznahorkai (Co-Kuratorin der Ausstellung „Signale der Macht“)
- 15:30–16:00 Offenes Ausklingen, Austausch mit dem Publikum
Über das Hörspiel
Bevor die deutsche Kolonialmacht 1914 in Togo besiegt wurde, zerstörte sie ihre eigene Funkstation. Was bleibt von dieser Geschichte? In „Kamina“ begibt sich eine Autorin im heutigen Brandenburg auf Spurensuche: In der Großfunkstelle Nauen begegnet sie Archivmaterialien, Stimmen, Geistern der Geschichte – und einem Ingenieur, der am liebsten alles ruhen lassen will.
„Kamina“ verwebt dokumentarische Recherche, poetische Reflexion und klangliche Erzählung zu einem eindrücklichen Hörerlebnis über Geschichte, Macht und Erinnerung.
Originalhörspiel / Dokumentarhörspiel, Deutschlandfunk Kultur 2025
Autorin: Lene Albrecht
Regie: Anouschka Trocker
Dramaturgie: Julia Tieke
Komposition: Steve Heather
Technische Realisierung: Lukas Wilke, Frank Klein
Regieassistenz: Marie Permantier
Sprecher:innen: Benita Sarah Bailey, Mateja Meded, Abdel Amine Mohammed, Florian Lukas
Mit künstlerischer Mitarbeit von: Razak Aboubakar, Sahmoudine Coubadja, Salif Le Dou
Gesang: Ameyo Dick
Erstsendung: 27.08.2025, 22:05 Uhr, Deutschlandfunk Kultur (Dauer: ca. 54 Minuten)
Mitwirkende & Hintergründe
Lene Albrecht (Autorin)
Kulturwissenschaftlerin und Autorin. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Essay, Roman und Hörspiel. Zuletzt erschien ihr Roman Weiße Flecken (2024), der ebenfalls deutsche Kolonialgeschichte thematisiert.
Anouschka Trocker (Regie)
Radiokünstlerin und Regisseurin. Seit über 20 Jahren realisiert sie Hörspiele, Klanginstallationen und Performances – u. a. für Deutschlandfunk Kultur, Ö1 und freie Theaterproduktionen.
Abdel Amine Mohammed (Sprecher)
Politikwissenschaftler, Referent für rassismuskritische Bildungsarbeit und Teil der Sprecherriege von Kamina. Seine Arbeit fokussiert auf postkoloniale Theorien und Empowerment in migrantischen Communities.
Julia Tieke (Dramaturgie)
Kultur- und Islamwissenschaftlerin, freie Hörspielredakteurin und Autorin. Bis 2024 leitete sie bei Deutschlandfunk Kultur die Wurfsendung. Ihre Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von Radiokunst, Storytelling und politischer Klangforschung.
Hinweis: Julia Tieke (Deutschlandfunk Kultur) war dramaturgisch an der Entstehung des Hörspiels beteiligt und ist in die organisatorische Vorbereitung der Veranstaltung eingebunden. Während des Events wird sie im Publikum anwesend sein, jedoch nicht aktiv am Bühnengespräch teilnehmen.
Dr. Katalin Krasznahorkai (Moderation)
Co-Kuratorin der Ausstellung Signale der Macht und Programmleiterin des Museums. Ihre Forschung widmet sich den Verflechtungen von Kunst, Archiv und Macht – insbesondere im postsozialistischen und postkolonialen Kontext.