Das Projekt Projekt „In Echt? – Virtuelle Begegnung mit NS-Zeitzeug:innen“
Das Projekt „In Echt? – Virtuelle Begegnung mit NS-Zeitzeug:innen“ analysiert und vermittelt, welche Potenziale und Grenzen die Möglichkeiten der virtuellen Realität nach dem baldigen Ende der NS-Zeitzeugenschaft für die Geschichtsvermittlung und Erinnerungskulturen bieten.
In Echt? Virtuelle Begegnungen mit NS-Zeitzeug:innen - Ein bundesweites Erinnerungsprojekt aus Brandenburg
Die Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus ist eine gesellschaftliche Verantwortung, die sich mit dem Verschwinden der letzten Zeitzeug:innen vor einer grundlegenden Herausforderung sieht. Die direkte Begegnung mit Überlebenden war stets ein besonders wirkungsvolles Mittel, um das Unrecht und die Gewalt der NS-Zeit nachvollziehbar zu machen. Das bundesweite Pilotprojekt „In Echt? – Virtuelle Begegnung mit NS-Zeitzeug:innen“ setzte genau hier an und zeigte, wie digitale Innovationen die Zeitzeug:innengespräche für kommende Generationen bewahren konnten.
Die mobile Ausstellung 2023 bis 2025 - ein Rückblick
Mit „In Echt?“ wurde eine volumetrische (dreidimensionale) Virtual-Reality-Erfahrung für die Vermittlung von NS-Unrecht eingesetzt. In der mobilen Ausstellung begegneten Besucher:innen fünf jüdischen Zeitzeug:innen – Ruth Winkelmann, Kurt Hillmann, Charlotte Knobloch, Inge Auerbacher und Leon Weintraub – in einer realitätsnahen, immersiven Gesprächssituation. Durch eine VR-Brille konnte man mit Blicksteuerung drei Fragen auswählen, die die Zeitzeug:innen dann – wie „in echt“ – beantworteten.
So entstand eine persönliche Erzählsituation, die es ermöglichte, die Geschichten der Überlebenden auf eine neue, eindringliche Weise zu erleben.
Diese Erfahrung wurde durch analoge und digitale Stationen ergänzt, die die Lebensgeschichten der Zeitzeug:innen und die Produktionsumstände dieser Interviews beleuchteten.
Was ist Volumetrie?
Im Zentrum dieser mobilen Ausstellung stand eine virtuelle Erfahrung (VR-Experience), die auf dreidimensionalen Aufnahmen von jüdischen Zeitzeug:innen des Nationalsozialismus basierte. Ruth Winkelmann, Leon Weintraub, Kurt Hillmann, Inge Auerbach und Charlotte Knobloch hatten den Holocaust als Kinder oder Jugendliche überlebt und engagierten sich seit vielen Jahren gegen das Vergessen, indem sie z. B. in Schulen ihre Geschichte erzählten. Kurt Hillmann verstarb im Februar 2025 in Berlin im Alter von 92 Jahren.
Mit einer VR-Brille konnten Besucher:innen ihnen dabei zusehen und zuhören, wie sie von ihren Erlebnissen und Erfahrungen während der NS-Zeit berichteten. Für die Aufnahmen begaben sich die hochbetagten Zeitzeug:innen in ein spezielles Studio, in dem sie von 36 Kameras gleichzeitig gefilmt wurden. Jede einzelne Kamera erstellte zweidimensionale Aufnahmen der Zeitzeug:innen. Aus den Daten der 36 Kameras konnte ein dreidimensionales Abbild erzeugt werden. Diese Technologie wird als Volumetrie bezeichnet.
Um dieses Bild in beliebigen, virtuell „gebauten“ Räumen einsetzen zu können, wurde der Hintergrund der Aufnahmen in der Postproduktion entfernt. Die Erstellung des virtuellen Raumes erfolgte in einer Game-Engine, einer Software, mit der das Design und die Funktionsweise des virtuellen Raumes bestimmt wurden.
Die Tour im Land Brandenburg
Die Brandenburg-Tour im Jahr 2023 bildete den Auftakt des Projekts „In Echt?“ und markierte den ersten öffentlichen Einsatz der mobilen Ausstellung. Zwischen Ende August und Mitte Oktober wurde das Format in unterschiedlichen Städten des Landes Brandenburg erprobt und in enger Zusammenarbeit mit regionalen Partner:innen umgesetzt.
Der Start erfolgte in Potsdam im Kutschstallhof am Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte. Weitere Stationen waren die Bibliothek im Kontor in Wittstock/Dosse, der Marktplatz in Kyritz, die Museumsfabrik in Pritzwalk, das Kulturquartier Mönchenkloster in Jüterbog sowie das Piccolo Theater in Cottbus. Den Abschluss der Tour bildete die Kunstweberei in Finsterwalde.
Die Brandenburg-Tour zeigte bereits in dieser frühen Phase, wie flexibel das Projekt in unterschiedlichen räumlichen und institutionellen Kontexten eingesetzt werden konnte – von innerstädtischen Plätzen über Bibliotheken und Theater bis hin zu Museen und Kulturquartieren. Gleichzeitig wurde deutlich, welches Potenzial die volumetrische Virtual-Reality-Erfahrung für die regionale Erinnerungskultur und die Bildungsarbeit mit verschiedenen Zielgruppen entfalten konnte.
An die Tour schloss sich eine Evaluationsphase an, die drei wissenschaftliche Workshops sowie eine Abschlusskonferenz Mitte 2024 umfasste. In diesem Rahmen wurde die weitere Anwendbarkeit volumetrischer Aufnahmen in der Erinnerungskultur analysiert und mit unterschiedlichen Zielgruppen diskutiert. Die Ergebnisse dieser Phase lieferten wichtige Impulse für die Weiterentwicklung und die spätere bundesweite Tour.
Die Ausstellung im Brandenburg Museum
Vom 8. November 2024 bis zum 30. März 2025 war die Ausstellung „In Echt? – Virtuelle Begegnung mit NS-Zeitzeug:innen“ im Brandenburg Museum in Potsdam zu sehen. Bei freiem Eintritt erhielten Besucher:innen die Möglichkeit, sich intensiv mit der Frage auseinanderzusetzen, wie Erinnerungskultur im digitalen Zeitalter gestaltet werden kann und welche Rolle virtuelle Formate künftig einnehmen können.
Im Zentrum der Ausstellung stand eine Virtual-Reality-Experience, in der Besucher:innen mithilfe einer VR-Brille fünf jüdischen Zeitzeug:innen im volumetrischen (dreidimensionalen) Raum begegneten. So entstand eine persönliche Erzähl- und Interviewsituation, die neue, eindringliche Zugänge zu den Geschichten der Überlebenden eröffnete. Ergänzt wurde diese Erfahrung durch einen Parcours mit analogen und digitalen Stationen, der die Produktionsumstände der Interviews erläuterte. Ein nachgebautes volumetrisches Studio machte die technische Aufnahmesituation anschaulich und vermittelte Einblicke in die Entstehung der VR-Anwendung.
Da die Kombination aus Volumetrie und Virtual Reality vielen Besucher:innen bislang wenig vertraut war, wurde das digitale Format durch klassische Ausstellungselemente ergänzt. Kurzbiografien der Zeitzeug:innen, Hintergrundinformationen zum Projekt sowie Erläuterungen zur Technologie ermöglichten eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Inhalten und der medialen Form.
Begleitend zur Ausstellung wurden umfangreiche Bildungsangebote realisiert. Speziell konzipierte Workshops für Jugendliche, Projekttage, Überblicksführungen sowie thematische Führungen zum jüdischen Leben in Brandenburg boten Schulklassen weiterführender Schulen die Möglichkeit, sich differenziert mit NS-Geschichte und Erinnerungskultur auseinanderzusetzen. Im Rahmen der Workshops setzten sich die Teilnehmenden mit der technologischen Entwicklung volumetrischer Aufnahmen auseinander, reflektierten die Wirkung digitaler Geschichtsvermittlung und diskutierten Chancen und Grenzen moderner Medien in der Erinnerungsarbeit.
Darüber hinaus wurde die Ausstellung durch ein vielfältiges Begleitprogramm ergänzt, darunter öffentliche Führungen, eine „Game Zone Geschichte“ zur NS-Erinnerungskultur im digitalen Zeitalter sowie die Buchvorstellung „Shalom zusammen“.
Die bundesweite Tour
Im Jahr 2025 führte die Deutschlandtour von „In Echt?“ die mobile Ausstellung durch zahlreiche Städte und Bundesländer und brachte die virtuelle Begegnung mit NS-Zeitzeug:innen direkt in den öffentlichen Raum. Zwischen Mai und September war das Projekt in Innenstädten, auf zentralen Plätzen sowie vor bedeutenden Kultur- und Bildungsinstitutionen präsent und erreichte so ein breites und vielfältiges Publikum.
Den Auftakt bildete Potsdam (Brandenburg) am Brandenburger Tor. Weitere Stationen im Frühjahr waren Halle (Saale) (Sachsen-Anhalt) auf dem Marktplatz, Zwickau (Sachsen) auf dem Hauptmarkt sowie Erfurt (Thüringen) auf dem Willy-Brandt-Platz. In Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern) wurde die Ausstellung am Alten Garten beziehungsweise am Platz am Pfaffenteich gezeigt.
Nach der Sommerpause setzte sich die Tour im Westen Deutschlands fort: In Frankfurt am Main (Hessen) war „In Echt?“ auf dem Vorplatz der Deutschen Nationalbibliothek zu erleben, gefolgt von Offenbach (Hessen) auf dem Willy-Brandt-Platz. In Dortmund (Nordrhein-Westfalen) gastierte die Ausstellung auf dem Vorplatz des Deutschen Fußballmuseums.
Im Norden machte das Projekt Station in Bremen am Grasmarkt zwischen Bremer Marktplatz und St. Petri-Dom. Weitere Orte waren Neustadt in Holstein (Schleswig-Holstein) auf dem Marktplatz, die Gedenkstätte Ahrensbök (Schleswig-Holstein) sowie die Nikolaikirche in Pasewalk (Mecklenburg-Vorpommern).
Die Umsetzung erfolgte jeweils in enger Zusammenarbeit mit lokalen Partner:innen vor Ort, darunter Kommunen, Kultur- und Bildungseinrichtungen, Gedenkstätten sowie zivilgesellschaftliche Initiativen. Durch diese Kooperationen wurde „In Echt?“ nicht nur als Ausstellung, sondern als regional verankerter Dialograum realisiert. Die Deutschlandtour zeigte, wie digitale Vermittlungsformate in unterschiedlichen städtischen und ländlichen Kontexten eingesetzt werden konnten, um Erinnerungskultur zeitgemäß, niedrigschwellig und öffentlich sichtbar zu gestalten.
Presseinformationen und Materialien
Presseunterlagen
Pressemitteilungen und Bildmaterial finden Sie im Pressebereich
Ansprechpartnerinnen Presse
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
presse@gesellschaft-kultur-geschichte.de
Telefon: +49 331 620 85 49
Leitung Marketing, Kommunikation und Veranstaltungen
presse@gesellschaft-kultur-geschichte.de
Telefon: +49 331 620 85 84
Mobil: +49 1523 89 36 83 2
Kontakt Projektteam
Dr. Katalin Krasznahorkai
Programmleitung Brandenburg Museum
k.krasznahorkai@gesellschaft-kultur-geschichte.de
Telefon +49 331 620 85 40
Johanna Schüller
Gesamtprojektleitung und historische Begleitung
j.schueller@gesellschaft-kultur-geschichte.de
Telefon: +49 33162085-39
Impressum
Brandenburgische Gesellschaft für Kultur und Geschichte gGmbH (BKG)
Projektverantwortung
- Geschäftsführerin BKG | Direktion Brandenburg Museum: Katja Melzer
- Kuratorische Leitung: Dr. Katalin Krasznahorkai
- Gesamtprojektleitung | Historische Begleitung: Johanna Schüller
- Bildung und Vermittlung: Julia Baumann, Dr. Wenke Wegner
- Tourenmanagement: Olga Preiss
- Redaktion Publikation: Johanna Gehring
- Kommunikation | Social Media: Paulina Roth, Andrea Glaß, Nadine Redlich
- Ausstellungstexte: Dr. Wenke Wegner
- Lektorat | Übersetzung: Anne Grunwald, Dr. Wanda Löwe, Marlene Schoofs
Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF
- Projektleitung Filmuniversität: Prof. Dr. Björn Stockleben
- Regie VR und Filmproduktion: Christian Zipfel
- Wissenschaftliche Mitarbeit (Begleitforschung): Sophie Tummescheit
- Wissenschaftliche Beratung (Begleitforschung): Dr. Yulia Yurtaeva-Martens
- Unity-Entwicklung: Jannis Volz, Sebastian Wilhelm
- App-Entwicklung: Giulia Fontana, Björn Stockleben
- Technical Director | Virtual Production Supervisor: Evgeny Kalachikhin
- Supervising Developer: David Schornsheim
- Koordination Summer School: Monika Richter, Olga Ulybysheva
- Sound Design: Danylo Okulov
Produktion | Gestaltung | Grafik | Rendering
- freybeuter Manufaktur
- Ta-Trung GmbH
- Volucap GmbH
- hana+nils · Büro für Gestaltung
Förderung & Kooperation
„In Echt? – Virtuelle Begegnung mit NS-Zeitzeug:innen“ ist ein Kooperationsprojekt der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte gGmbH (BKG) in Zusammenarbeit mit der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF.
Das Projekt wird im Rahmen der Bildungsagenda NS-Unrecht gefördert durch das Bundesministerium der Finanzen (BMF) sowie die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ).
Förderer
Das Projekt wird in der Bildungsagenda NS-Unrecht von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) und dem Bundesministerium der Finanzen (BMF) gefördert.