Brandenburg Museum

Tattoos in der DDR? Über Körper, Protest und Zugehörigkeit

Podiumsgespräch im Rahmen der Ausstellung „Das Weite suchen. Fotografien der späten DDR und frühen 1990er-Jahre“.

 

Altes Foto einer Tattoo-Vorlage mit Maschine
Foto: BArch, MfS, HA IX, 14495, Bl. 49

Veranstaltungsdetails

Tätowierungen waren in der DDR kein Massenphänomen, sie galten als suspekt, waren ein Stigma der Unangepasstheit und sozial stark codiert. Wo keine regulären Studios entstehen konnten, entwickelten sich alternative, oft verdeckte Praktiken.Expert:innen für Tattoo-Geschichte und tätowierte Zeitzeug:innen tauschen sich in einem Gespräch über millieuübergreifende Bedeutungen, den Einsatz von improvisierter Technik und Motiven aus.

Dabei bilden persönliche Erfahrungen aus Heimsystemen elternloser Kinder und Jugendliche sowie der Zwangsvollzugsanstalt Einblicke in einen Entstehungskontext eigener Tätowierungen.

Dadurch wird deutlich, dass Tattoos in der DDR weit über die Repräsentation von Protest und (politischer) Zugehörigkeit hinausgingen und, wie überall, Ausdruck eigener Sehnsüchte, Erinnerungen oder bloßen Humors waren.

Mit Marcus Schäfer, Claudia Schmidt, Manfred Sieloff, Susanne Knabe

Moderation: Claudia Schmidt

Auf dem Podium

Marcus Schäfer

Marcus Schäfer ist Historiker, Doktorand an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und wissenschaftliche Hilfskraft bei der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung. In seiner Dissertation erforscht er die Tätowier-Kultur der DDR aus einer emotions-, körper- und geschlechtergeschichtlichen Perspektive.

Claudia Schmidt

Claudia Schmidt ist Historikerin und Doktorandin am Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Sie forscht zur Regulierung von Tätowierungen in Westdeutschland, inkl. einiger Ausblicke in die DDR, und begegnet dem Thema an der Schnittstelle von Gesellschafts-, Rechts- und Medizingeschichte.

Susanne „Sanny“ Gerda Knabe

Susanne „Sanny“ Gerda Knabe ist Zeitzeugin. Als Kind politisch Inhaftierter wurde sie zwangsadoptiert und durchlebte jahrelang das Heimsystem der DDR – in diesem Kontext entstanden auch ihre ersten Tätowierungen. Neben Zeitzeugengesprächen, Podien und Artikeln wirkte sie u.a. an der Dokumentation „Verlorene Kinder“ von Stefan Weinert aus dem Jahre 2021 mit.

Manfred Sieloff

Manfred Sieloff ist Künstler und Bildhauer aus Wünsdorf in Brandenburg. Als Zeitzeuge bringt er persönliche Erfahrungen mit Tätowierungen in der DDR ein. Heute arbeitet er unter anderem mit Skulptur, Installation, Fotografie und Beton.

Eintritt und Tickets

5 € / 3 € ermäßigt
berechtigt zusätzlich zum ermäßigten Eintritt in die Ausstellung (5 €)

Der Einlass erfolgt nur nach vorherigem Kauf eines Tickets.
Eine Reservierung der Karten ist nicht möglich.