Provinzlust. Erotikshops in Ostdeutschland
Lesung & Gespräch mit Uta Bretschneider und Jens Schöne, Moderation: Margarethe Neubauer
Die Veranstaltung findet im Rahmen der Ausstellung „Das Weite suchen“ statt.
Veranstaltungsdetails
Die frühen 1990er-Jahre waren eine Zeit des Suchens, Öffnens und Neuverhandelns – politisch, gesellschaftlich und im Alltag der Menschen, die auf sehr unterschiedliche Weise das „Weite“ suchten. Mit dem Ende der DDR wurde sichtbar, was zuvor oft im Privaten verborgen geblieben war: Sexualität, Körperlichkeit und Begehren. Zugleich entstanden mit den ersten Sexshops – einem Gewerbe, das in der DDR offiziell nicht existierte – neue Räume, in denen Freiheit, Konsum und Intimität tastend ausgelotet wurden.
Das Buch „Provinzlust. Erotikshops in Ostdeutschland“ widmet sich diesem bislang wenig beleuchteten und intimen Kapitel der Transformationszeit: dem Aufstieg des Erotikhandels in Ostdeutschland.
Für ihre Recherche reisten die Autor:innen Uta Bretschneider und Jens Schöne durch zahlreiche Städte im Osten Deutschlands, darunter Herzberg (Elster), Lauchhammer und Cottbus, und sprachen mit Betreiber:innen von Sex- und Erotikläden. Anhand der Erfahrungswelten und Lebenswege von Erotik- und Sexshop-Inhaber:innen erforschen sie in ihrem Buch die Möglichkeitsräume und -grenzen sowie die Wandlungsprozesse in ländlich geprägten Regionen und Kleinstädten bis heute. In der Lesung und anschließendem Gespräch, moderiert von Margarethe Neubauer (rbb), geben Uta Bretschneider und Jens Schöne Einblicke in diese Arbeit.
Mitwirkende
Uta Bretschneider
Dr. Uta Bretschneider ist seit 1. April 2020 Direktorin des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig. Von 2016 bis 2020 leitete sie das Hennebergische Museum Kloster Veßra, ein 1975 gegründetes Freilichtmuseum im Süden Thüringens.
Zuvor war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde, Dresden. Sie promovierte zwischen 2011 und 2014 zum Thema „‚Vom Ich zum Wir‘? Flüchtlinge und Vertriebene als Neubauern in der LPG“. Von 2009 bis 2011 arbeitete sie am Hennebergischen Museum Kloster Veßra. 2008 schloss sie ihr Studium der Volkskunde/Kulturgeschichte und Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena ab.
Jens Schöne
Jens Schöne, Dr. phil. (1970 in Staßfurt), ist Historiker und seit 2017 Stellvertreter des Berliner Beauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Er studierte Neuere und Neueste Geschichte sowie Anglistik und Amerikanistik an der Humboldt-Universität zu Berlin und promovierte 2004 an der Freien Universität. Seit 2007 lehrt er an der Humboldt-Universität. Schöne veröffentlicht zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte der DDR, zur Agrargeschichte des 20. Jahrhunderts sowie zur Geschichte des geteilten Berlins, darunter “Die DDR. Eine Geschichte des ‘Arbeiter- und Bauernstaates’“ (2014) und Ronald Reagan in Berlin (2017).
Margarethe Neubauer
Margarethe Neubauer ist eine vielseitig interessierte Journalistin, die sich durch ihre Neugierde für ungewöhnliche Themen und ihre Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge verständlich darzustellen, auszeichnet. Ihre journalistische Arbeit ist geprägt von einem starken persönlichen Bezug und dem Wunsch, gesellschaftliche Entwicklungen kritisch zu begleiten.
Hintergrund
Die Lesung findet im Begleitprogramm der Ausstellung „Das Weite suchen“ statt. Diese zeigt Bilder von zwölf Fotograf:innen, die in den 1980er- und frühen 1990er-Jahren entstanden sind. In den fünf Kapiteln Jungsein, Arbeit, Körper, Gewalt und Lebensräume kommt eine Gesellschaft im Umbruch ins Bild. Bruchlinien und Kontinuitäten im „langen Jahrzehnt der Wende“ zwischen dem Ende der DDR und den 1990er-Jahren werden sichtbar und regen zu einer neuen Auseinandersetzung mit dem Jahrzehnt der Transformation in Ostdeutschland an. Im Kapitel “Körper” dokumentieren Arbeiten der Fotografin Ute Mahler unter anderem die neuen Sex-Shops, die überall im Land entstehen.
Buch und Ausstellung treten an diesem Abend in einen Dialog. Hier wie dort geht es um das Sichtbarwerden von verschiedenen Lebenswirklichkeiten. Und um den Versuch, nach einer historischen Zäsur neu zu verhandeln, was Nähe, Freiheit und Selbstbestimmung bedeuten.
Eintritt
Der Eintritt ist frei, wir bitten um Anmeldung.
Anmeldung / Tickets
Eine Anmeldung ist aufgrund begrenzter Plätze empfohlen. Anmelden können Sie sich an unserer Museumskasse oder online:
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+49 331 620 85 50
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